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"KI kann keine Fenster flicken"

Der Gewerbeverein Rheintal-Studenland engagiert sich für die Förderung des Zurzibiets als attraktiven Wohn-, Einkaufs- und Tourismusstandort. Doch Fachkräftemangel und fehlender Nachwuchs beschäftigen die Region.

"KI kann keine Fenster flicken"

Beat Rudolf, Präsident des Gewerbevereins Rheintal-Studenland. Bild: zvg

Das Zurzibiet soll nicht nur wirtschaftlich stark bleiben, sondern auch als lebenswerter Ort wahrgenommen werden, in dem Arbeiten, Wohnen und Freizeit harmonisch zusammenspielen. "Aktuell beschäftigen die rund 140 Mitglieder jedoch vor allem zwei zentrale Herausforderungen: der anhaltende Fachkräftemangel und der fehlende Nachwuchs in vielen Branchen", sagt Beat Rudolf, Schreiner und Präsident des Gewerbevereins Rheintal-Studenland. Nicht internationale Entwicklungen wie etwa US-Strafzölle bereiten dem lokalen Gewerbe die grössten Sorgen, sondern der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften direkt vor der eigenen Haustür. "Auch in meinem Betrieb ist noch eine Lehrstelle frei", sagt Rudolf. Diese Situation sei kein Einzelfall, sondern betreffe zahlreiche Betriebe in der Region.

Ein möglicher Grund könne das Image des Zurzibiets sein. Dieses werde von vielen oft als Randregion wahrgenommen. Viele Schulabgänger orientierten sich lieber in Richtung der grösseren Zentren wie Baden oder Aarau, wo sie sich mehr Möglichkeiten und ein lebhafteres Umfeld versprächen. Dabei sei das Zurzibiet verkehrstechnisch gut erschlossen und sowohl mit dem öffentlichen Verkehr als auch mit dem Individualverkehr bestens angebunden. "Wir müssen selbstbewusster zeigen, was unsere Region zu bieten hat", betont Rudolf.

Eine Berufslehre ist attraktiv

Um dem Trend entgegenzuwirken, setzt der Gewerbeverein auf gezielte Massnahmen. Lehrlingsevents sollen Jugendlichen praxisnahe Einblicke in verschiedene Berufe ermöglichen und Hemmschwellen abbauen. In Zusammenarbeit mit den Schulbehörden wird zudem daran gearbeitet, der Berufslehre wieder mehr Gewicht zu verleihen. Denn eine handwerkliche oder gewerbliche Ausbildung biete nicht nur sichere Perspektiven, sondern auch vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten. "Hier braucht es nicht nur Talent, sondern auch Köpfchen. Künstliche Intelligenz kann keine Fenster flicken - der Fachmann, die Fachfrau schon", sagt Rudolf mit einem Schmunzeln. Gerade in Zeiten der Digitalisierung werde deutlich, wie wichtig praktische Kompetenzen und fundiertes Fachwissen bleiben. Positiv beurteilt Rudolf die Entwicklung der letzten Jahre: Hochwertiges, solides Handwerk erfahre wieder mehr Wertschätzung. Individuell gefertigte Möbelstücke vom Schreiner oder andere massgeschneiderte Lösungen aus regionalen Betrieben seien zunehmend gefragt. Qualität, Nachhaltigkeit und persönliche Beratung gewännen gegenüber anonymer Massenproduktion wieder an Bedeutung.

Neben der Nachwuchsförderung verfolgt der Gewerbeverein das Ziel, die regionale Wirtschaft insgesamt zu stärken. Mit Mitgliederanlässen, Netzwerktreffen und Gewerbeausstellungen wird der Austausch gefördert und die Vielfalt des lokalen Angebots sichtbar gemacht. Gleichzeitig pflegt der Verein einen engen Dialog mit den Behörden, um die Anliegen des Gewerbes frühzeitig einzubringen und konstruktiv an Lösungen mitzuwirken.

Synergien nutzen, Kräfte bündeln

"Als aktives Mitglied des Aargauischen Gewerbeverbands und des Wirtschaftsforums Zurzibiet sind wir Teil eines starken Netzwerks, das die wirtschaftlichen Interessen auf kantonaler und überregionaler Ebene vertritt", zieht Rudolf Bilanz. Der regelmässige Austausch mit umliegenden Gewerbevereinen sowie mit der Aargauischen Industrie- und Handelskammer ermögliche es, Synergien zu nutzen und gemeinsame Projekte voranzutreiben. So würden Kräfte gebündelt, um das Zurzibiet nachhaltig zu stärken und als zukunftsfähigen Wirtschafts- und Lebensraum zu positionieren. Carolin Frei