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Alles unter einem Dach

Alles unter einem Dach

Sabin Rickenbach erläuterte die umfangreichen Energiesparmassnahmen. Bilder: Reto Martin. Sämtliche Bilder des Anlasses sind unter www.gewerbe-wil.ch/Galerie zu finden.

Anlässlich des 55. Gewerbefensters durften die Mitglieder des Gewerbevereins Wil und Umgebung (GVW) einen Blick hinter die Kulissen des Lidl Sportparks Bergholz werfen.

Bei den regelmässig stattfindenden Gewerbefenstern des GVW hat jeweils ein Mitglied Gelegenheit, sich den anderen zu präsentieren. Nebst interessanten Einblicken in unterschiedliche Branchen erhalten die Besucherinnen und Besucher an diesen Abenden auch Gelegenheit für Austausch und Netzwerkpflege.

Am Donnerstag, 24. September, trafen sich rund 70 Mitglieder im Lidl Sportpark Bergholz in Wil. Sabin Rickenbach begrüsste die Anwesenden mit einer kurzen Präsentation der wohl vielseitigsten Sport- und Freizeitanlage der Region. Rickenbach ist seit 2020 Geschäftsführerin der Betreibergesellschaft Wiler Sportanlagen AG, kurz Wispag. Diese wurde 2013, noch vor der Eröffnung des neuen Hallenbads, gegründet. Hauptaktionärin ist die Stadt Wil mit einem Aktienanteil von 89 Prozent, die restlichen 11 Prozent der Aktien verteilen sich auf acht umliegende Gemeinden. Die Stadt sei Eigentümerin der Liegenschaft, so Rickenbach. "Die Wispag ist für deren Unterhalt zuständig. Instandhaltung und Instandsetzung unter 100000 Franken müssen wir übernehmen." Über eine Leistungsvereinbarung erhält die Wispag jährliche Betriebsbeiträge: 1,5 Millionen Franken von der Stadt und rund 200000 Franken von den Partnergemeinden. "Trotz steigender Kosten sind diese Beträge seit 2017 gleich geblieben", erklärt Rickenbach.

Imposante Zahlen und Fakten

Die Wispag betreibt mit dem Standort Bergholz und der Badi Weierwise ein Hallenbad, zwei Freibäder, einen Wellnessbereich, eine Eishalle, ein Fussballstadion und verschiedene Sportplätze. Weiter gehören ein Restaurant, eine Boulderanlage und ein Skatepark dazu. Die Anlage ist an 364 Tagen im Jahr geöffnet. Beschäftigt werden 85 Mitarbeitende. Für den Betrieb der Freibäder wird das Team im Sommer durch rund 20 Saisonkräfte ergänzt. Etwa 370000 Gäste werden pro Jahr gezählt. Dank des schönen Sommers steuere man heuer auf einen Besucherrekord hin, so Rickenbach. "Wir hoffen, die Marke von 400000 Besucherinnen und Besuchern zu knacken."

Rundgang durch die Anlage

Im Anschluss an die Präsentation begaben sich die Teilnehmenden auf einen geführten Rundgang. In der kühlen Eishalle übten ambitionierte Eiskunstläuferinnen ihre Pirouetten, was insbesondere die Frauen faszinierte. Die Männer scharten sich derweil in einem Nebenraum ehrfurchtsvoll um die Eisbearbeitungsmaschine und murmelten: "Ein Zamboni." Obwohl diese von der Firma Züco aus Wetzikon stammt, wird das Gefährt im Volksmund gerne nach seinem amerikanischen Erfinder Frank J. Zamboni benannt. Es sei mit einem Elektromotor ausgestattet, erklärte der Objektverantwortliche Stephan Meier. "Das ist insbesondere in geschlossenen Eishallen von Vorteil."

Danach ging es durch den Spielereingang der Fussballer, vorbei an den Garderoben auf den mit LED-Flutlicht beleuchteten Kunstrasen im Stadion. Auch dieser Belag müsse regelmässig bewässert werden, damit er nicht zu heiss werde und der Ball gut rolle, erklärte Alexandra Bürgi, Leiterin Sportbetrieb und Belegung. "Dies geschieht mit entchlortem Abwasser aus dem Schwimmbad." Der wetterunabhängige Kunstrasen sei sehr beliebt und der Platz darum begehrt, so Bürgi. "Neben den Mannschaften des FC Wil trainieren auch Fussballerinnen und Fussballer aus der Stadt St. Gallen bei uns." Durch die hohe Auslastung von über 1800 Stunden pro Jahr muss der Belag rund alle sieben Jahre ersetzt werden.

Sicherheit fürs Hallenbad

Der Rundgang führte weiter ins Hallenbad. Badmeister Hans Salzmann erklärte die verschiedenen Sicherheitsmassnahmen. Das System "Angel Eye" unterstützt das Aufsichtspersonal mit Kameras. Auf einem grossen Bildschirm im Badmeisterbüro sind zahlreiche Unterwasseraufnahmen zu sehen. Ortet das System ein Objekt, das sich nicht bewegt, wird ein Alarm ausgelöst. Im angrenzenden Sanitätsraum steht unter anderem ein Defibrillator für erste Hilfe zur Verfügung.

Anschliessend wechselten die Besucherinnen und Besucher einen Stock höher in den Wellnessbereich - "vom warmen Bad direkt in die heisse Sauna", scherzte jemand. Kerstin Jonischkies, Leiterin Frontdesk und Wellness, führte durch die in gedeckten Farben gestalteten Räumlichkeiten, die eine ruhige Atmosphäre vermitteln. Zwei Saunakabinen, ein Dampfbad, ein Sprudelpool sowie verschiedene Erlebnisduschen ermöglichen ein umfassendes Wellnessgefühl. Zusätzlich können Massagen und Kosmetikbehandlungen gebucht werden. Das Angebot sei stetig erweitert worden, was kürzlich eine Preisanpassung nötig gemacht habe, so Jonischkies.

Die Leiterin Kurse, Stephanie Suriano, informierte über das vielfältige Angebot an Sportkursen im Wasser und auf dem Eis. Besonders beliebt seien Schwimmkurse. Neben diversen Gruppenkursen seien im vergangenen Jahr rund 1100 Privatlektionen gebucht worden.

Energie und Wasser sparen

Rund 60 Liter Frischwasser pro Badegast würden der Anlage zugeführt, erklärte Lenz. "Nur ein kleiner Teil des Wassers landet direkt in der Kanalisation, der Rest wird nach der Aufbereitung wieder genutzt."

"Wir sind schweizweit der erste Sportpark mit Minergie-Zertifizierung", ergänzte Sabin Rickenbach, die durch den letzten Posten des Rundgangs führte. "Unser Ziel ist es, möglichst viele Synergien zu nutzen." Im August, wenn der Prozess der Eisaufbereitung beginnt, wird der anfallende Wärmeüberschuss dem Freibad zugeführt und so die Wassertemperatur gegen Ende der Saison um rund 2 Grad erhöht. Warmwasser wird unter anderem von einer thermischen Solaranlage auf dem Dach produziert. Ein Blockheizkraftwerk erzeugt neben Wärme auch Elektrizität. "Über eine Gigawattstunde Strom brauchen wir pro Jahr", so Rickenbach. Ein Teil davon wird mit Photovoltaikanlagen erzeugt. Der Selbstversorgungsanteil des Sportparks liege bei etwa 30 Prozent, wie Rickenbach ausführte.

Nach dem Rundgang wurden die Gäste im Restaurant Bergholz mit einem Apéro riche verwöhnt und liessen den Abend bei angeregten Gesprächen ausklingen. Karin Erni